Entweder kann man sich das Spezial direkt hier durchlesen, oder einfach als PDF downloaden.
Falling Angel?
Bis das der Tod uns scheidet. Dieser Satz gilt heute nur noch für die wenigsten Partnerschaften. Für finanzielle Partner galt er nie.
Alles fing damit an, dass auf den Seiten der CPL die Sponsorenlogos von Intel und Nvidia verschwanden. Gerüchte tauchten auf: Die Hauptsponsoren seinen nicht mehr gewillt gewesen, den immer größer werdenden Finanzforderungen der CPL zu nachzukommen. Es soll zu einem Streit während der Verhandlungen für das neue Jahr gekommen sein. Immerhin hatte die CPL dieses Jahr hochgesteckte Ziele, eine World-Tour - mit einem 1on1 und einem Teamspiel – sowie CPL Summer und Winter Events der Superlative. Sollte sich das Finanzgenie Angel Munoz verkalkuliert haben. Bevor er sich dem eSport widmete, war er als Broker in Florida reich geworden. In einem Interview in der GEE meinte er einmal, „Ich habe das Talent, Geld zu vermehren, wohl geerbt mein Vater und mein Großvater waren schon Inhaber erfolgreicher Geschäfte.“ Ist es zu einem Gendefekt gekommen?
Seit nunmehr fast neun Jahren stand die CPL für Turniere mit den höchsten Preisgeldern. Je höher die Preisgelder, desto besser das Turnier schien die Devise. Als dann die Ankündigung der World Tour kam, schien Mr. Munoz nicht mehr zu bremsen. Eine Millionen Dollar konnte bisher noch keiner bieten. Den Termin der CPL Summer verschob man kampflustig auf den selben Zeitraum, in dem auch der ESWC in Paris stattfand. Damit hatte man sich jedoch zu weit aus dem Fenster gelehnt. Die Top-Teams versuchten alle zunächst einmal einen Platz auf dem ESWC zu bekommen – wenn es nicht klappt könne man immer noch zur CPL. Auch auf der World-Tour lief nicht alles so, wie man es erwartet hatte. Stops fielen aus, Gerüchte über zahlungsunfähige Stop-Partner kamen auf. Und nun stand man ohne finanzkräftigen Partner da. Längst hören einige die Glocken, die das Ende der CPL einläuten.
Doch so etwas würde nicht zu Angel Munoz passen. Der in Puerto Rico aufgewachsene Mann hat einen eisernen Willen. „Ich bin besessen. Ich will, dass Spielen im Fernsehen übertragen wird, ich will, dass Computerspielen ein Massensport wird, ich will einen regelmäßigen Ligabetrieb. Ich bin besessen.“ Aus diesem Grund gingen die weltweiten Spekulationen auch weit auseinander. Auf der einen Seite wurde gemunkelt, man würde demnächst einen neuen starken Partner präsentieren der vielleicht auch nicht aus der PC-Branche kommt. Andere überlegten, ob die CPL genug Rücklagen hätte, um ohne einen Hauptsponsor auszukommen. Da man nichts konkretes mitgeteilt bekam, wurde weiterhin gerätselt.
Szenenwechsel: Am 14. Februar wird ein neues Turnier vorgestellt, was, wie viele andere Turniere auch, durch ein W im Namen seine Ambitionen schon deutlich macht. Die World Series of Video Games, kurz WSVG.
Dahinter steht das, im Jahr 2002 gegründete, Games Media Properties (GMP) Unternehmen. Nach eigenen Angaben hat man bereits mehrere Gaming Events für Unternehmen wie MTV, Nestle oder auch DaimlerChrysler organisiert.
Die WSVG plant im Juni den Start einer Turnierreihe, mit sowohl PC als auch Konsolenspielen. Dabei geht es um ein Preisgeld von einer Millionen Dollar.
Das kommt einem doch sehr bekannt vor. Und das ist nicht das einzige, was man bei der WSVG wiederfindet. Unter den Mitarbeitern der GMP findet sich mit Scott Valencia einer der ehemals engsten Mitarbeiter der CPL. Noch jemand findet sich wieder – Intel. Der ehemalige Partner der CPL wird von nun an zusammen mit Microsoft die WSVG unterstützen. Mr. Valencia dort wiederzutreffen, nachdem er zuvor die CPL verlassen hat, dürfte kein Zufall sein. Somit gab es jetzt eine World-Series mit Sponsor und eine World-Tour ohne Sponsor.
Acht Tage später gab es eine Wendung, die zwar logisch sein mag, jedoch trotzdem mehr als überraschte. Die CPL Summer 2006 wird der zweite Stop der WSVG werden. Das hätte man nicht von Angel Munoz gedacht. Zwar will er immer dem eSport voranbringen, doch hatte er sich darunter wohl etwas anderes vorgestellt. „Geschäft ist immer eine Form des Kriegs. Deine Wettbewerber sind immer auch deine Feinde“ Nun also hat er keine Partner, die für ihn Stops ausrichten, sondern ist selber in diese Position gekommen. Man kann nur spekulieren, doch das dürfte ihm nicht leicht gefallen sein. „Jeder will schließlich die Nummer eins sein.“
Auf die Frage, was nun aus der World-Tour werde, sagte er gegenüber GotFrag “Wir halten dieses Jahr keine World Tour ab. Stattdessen befürworten wir, dass die Community die WSVG als großartige Alternative ansieht und unsere Partnerschaft mit ihnen eine Fusion von Konzepten und einer gemeinsamen Vision für den Sport ist.” Angel Munoz scheint sich also vorerst unterzuordnen. Der Druck durch den fehlenden Sponsor scheint zu groß geworden zu sein.
Doch wieso hat sich Intel überhaupt zu diesem Schritt entschlossen? Wieso verlässt es ein so erfahrenes Unternehmen wie die CPL? Man kann nur spekulieren. Hält man bei der WSVG die Zügel stärker in der Hand? Schlägt man vielleicht auch eine andere Sponsorenstrategie ein? Und welche Auswirkungen hat es auf den europäischen Markt? Durch eine Partnerschaft der WSVG mit der DreamHack ist man auch in Europa vertreten. Turtle Entertainment hat bereits ihre Erfahrungen mit der CPL gemacht. Jetzt verfolgt man eine andere Strategie als die CPL und WSVG. Trotz allem ist ein neuer Teilnehmer auf dem eSport Parkett erschienen.
Amerika, Europa und Asien sind dabei ihre Figuren zu positionieren. Die ersten Züge sind gemacht worden – doch das Spiel hat gerade erst begonnen.
Zitate aus GEE (Januar ´06) und GotFrag.com
All times are GMT +2. The time now is 09:40