9.4.2006, Dortmund. Vor dem Winnerbracket Finale wollten wir Lieor Koblenz interviewen. Kurzerhand schlägt dieser, vor seinen Gegner und Teamkameraden ebenfalls einzubinden. Etwas abseits, in einer Cafeteria, unterhalten wir uns in lockerer Atmosphäre.
Wie verlief das Turnier aus Eurer Sicht? Wieder recht erfolgreich?
LK: Ja, es verlief eigentlich schon fast wie erwartet. Die Gegner sind auf einem höheren Niveau, als auf den letzten Finals, vor allem durch die Teilnahme von Chris und Revager. Dieser ist auch Trainingspartner, und wir kommen alle drei aus Homburg und spielen regelmäßig zusammen. Daher sind wir alle auf einem annähernd gleichem Niveau. Ansonsten – die Location ist wunderbar, und das Finale steht bald an und dann hoffen wir auf das Beste.
CW: Ich kann mich dem eigentlich nur anschließen. Es lief wie erwartet.
Letztes Mal sagtest Du, dass die Teilnehmer nicht so stark waren, weil das Turnier noch nicht so bekannt war. Hat sich das mittlerweile geändert? Ist die Szene stärker geworden?
LK: Die Szene in Deutschland ist generell sehr, sehr stark, leider bisher nur auf dem PS2 Sektor, sprich Konami PES League. Für die WWCL konnte man relativ wenig bekannte Spieler gewinnen, obwohl es Preise wie Autos gibt. Verstehen kann ich das auch nicht, jedoch ist das deren Sache und letztlich spielt es mir in die Karten.
Ihr habt gesagt, Ihr trainiert schon seit langen zusammen. Wie ist da die Konkurrenz? Gilt da: Alles oder nichts, oder wie ist das? Du hast schon ein Auto gewonnen. Gibt es da Absprachen?
CW: Ja, schon. Wenn wir beide im Endspiel stehen denke ich, dass wir teilen werden - oder zwei-drittel ein-drittel machen. Wir sind beide nicht so damit einverstanden, dass Kollegen gegeneinander um ein Auto spielen. Das ist schon ziemlich heftig.
Was hast Du letztes Mal mit deinem Auto gemacht? Du sagtest, du wolltest es verkaufen.
LK: Ich wollte es verkaufen und habe es überall auf den Online Automärkten angeboten, letztlich hat es jemand bei ebay gekauft.
Zufrieden?
LK: Ja, doch schon zufrieden - für ein paar Stunden zocken fast 11.000 Euro. Mit dem Schnitt kann man leben.
Warum glaubt Ihr, dass es ausgerechnet für so ein Spiel ein Auto gibt? Es wurde gesagt, das Spiel wird stark vom Publisher gepuscht. Gerade auch gegen FIFA. Liegt es daran?
LK: Ich denke, es liegt vor allem am Publisher Konami. Das sieht man auch an der ESL mit EA-Sports als Mainsponsor, wodurch Battlefield und FIFA in der EPS zu sehen sind. Konami ist relativ neu auf dem PC Sektor und deshalb wollen sie jetzt in den Markt, aber sie können mit EA nicht mithalten. PES wird immer bekannter. Mittlerweile kennt jeder, der im eSport Bereich tätig ist, PES als Namen. Das war vor zwei Jahren anders. Von daher bin ich optimistisch, dass es in nächster Zukunft noch größer und noch bekannter wird.
Woran glaubt Ihr liegt es, dass es bisher noch nicht so bekannt ist? Es soll realistischer sein als FIFA?
CW: Das Hauptproblem, denke ich, liegt daran, dass EA-Sports seine Spiele mehr puscht als Konami. Die machen sehr wenig eigentlich für das Spiel. Außer jetzt hier bei der WWCL mit dem Auto. FIFA ist zwar auf jeden Fall das schlechtere Spiel und PES viel besser, da es viel realistischer ist. Bei FIFA ist es immer das Gleiche: Flanke, Tor wieder ne Flanke wieder ein Tor. Aber EA Sports macht eben mehr als Konami.
Wie seht Ihr das international mit PES? Auf dem ESWC wird es gespielt, das heißt es ist eine Entwicklung nach vorne. Sieht man es vielleicht auch längerfristig auf Turnieren wie der World Tour oder bei den WCG?
LK: Genau kann man das als Spieler sowieso nicht beeinflussen. Die Chance besteht auf jeden Fall. Man muss auch sehen, FIFA ist mit EA Sports seit 96/97 im Markt. PES erst seit letztem Jahr. Natürlich hat es da einen großen Vorsprung bei Sponsoren und Spielern und ist international bekannter. Wobei, man muss sagen in Frankreich zum Beispiel, kennen die Leute FIFA fast überhaupt nicht, da ist nur PES. Ich denke es kommt langsam international. Bei ESWC ist es seit zwei oder drei Jahren nur noch PES. Bei der WCG muss man halt abwarten wie es sich entwickelt.
Wo Du den ESWC ansprichst. Habt Ihr vor Euch zu qualifizieren?
CW: Die Qualifikations- die Offline-Turniere liegen für uns vom Zeitraum her ziemlich schlecht, weil wir beide dieses Jahr Abitur machen. Die Turniere sind jetzt in Kürze. Deswegen bleibt für uns nur die Onlinequalifikation übrig. Da versuchen wir uns schon zu qualifizieren.
LK: Ja, im Großen und Ganzen stimmt das. Die Lans sind ziemlich weit. Und jetzt in den Osterferien vor dem Abitur noch mal das ganze Wochenende weg zu sein, wird ziemlich stressig. Natürlich ist die ESWC immer reizvoll. Online werden wir auf jeden Fall versuchen uns zu qualifizieren. Ansonsten dann halt nächstes Jahr.
Von der Location, vom Event, wie findet Ihr es dieses Mal? Es ist lauter als im Gasometer, und es gibt mehr Laufpublikum. Wie kommt das bei Euch an?
LK: Ich begrüße das eigentlich. Weil wir spielen ja eigentlich, damit die Leute sehen, dass es so was wie eSport gibt. Im Gasometer war es doch problematisch, da er ziemlich abgelegen liegt und für Zuschauer daher unattraktiv war. Hier läuft es über die Messe und da kommen am Tag einige hundert oder auch tausend Leute am eSport-Stand vorbei. Dann sehen sie auch noch das Auto und so beginnen sie sich dafür zu interessieren. Also ich denke es hat nur positives.
Ihr favorisiert auch nicht solche Aktionen wie von der ESL Gamingromms gestellt zu bekommen, sondern lieber große Events aufzuziehen, wo es viel Publikum gibt. Wir haben gestern mit einigen Leuten gesprochen, die Ego-Shooter spielen. Die sagen, die Messe stört von der Lautstärke. Ist das bei PES auch der Fall, dass man sich schlechter konzentrieren kann bei einer solchen Läutstärke.
CW: Da wir PS2 Turniere gewohnt sind, wo die Lautstärke meistens enorm ist, macht das relativ wenig aus. Klar, man muss sich voll und ganz konzentrieren aber das ist man einfach gewohnt.
LK: Ich denke auch, dass sollte keine Ausrede sein. Profisportler spielen auch nicht vor leeren Rängen. So etwas sollte schon vor Publikum sein. Und all zu störend, empfinde ich es nicht, als das man einen Misserfolg darauf abschieben kann.
Dann danke ich für das Interview und wünsche Euch viel Spaß bei Spiel.
Das Gespräch führten Nic & edshirt
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