blank-TV - Interview: Petra Schmitz & Walter Reindl

11. November 2006 21:19 Uhr - 0 Comments
28.8.2005, Oberhausen. Sonntags morgens. Ein Großteil der Spieler ist noch nicht da. Unten im Zuschauerbereich wird gerade FIFA gespielt. Im Turnierbereich, unter der beeindruckenden Hülle des Gasometers, sprechen wir mit den Redakteuren von Deutschlands bekanntestem Spielemagazin.

ReindlErst einmal, was sind ihre Aufgaben bei GameStar?

Walter Reindl: Onlineredakteur und Leitung von der Liga.

Petra Schmitz: Und ich bin ganz gewöhnlich Redakteurin, aber auch ein bisschen die Stimme der Liga bisher. Ich habe die Jahre zuvor die Ligaspiele im Internet kommentiert, soweit es mir möglich war. Wenn es nicht gerade Warcraft 3 war und ich da total versagt hätte. Was mir einmal passiert ist. (lacht).


Was würden sie zum bisherigen Verlauf des Turniers sagen? Wie gefällt es ihnen?

WR: Also vom Verlauf, von der Location ist es sehr schön. Der Verlauf ist in den meisten Turnieren eigentlich wie erwartet. Bei Counter-Strike, da geht es wohl in erster Linie einmal drum, sind unter den ersten vier aTTaX, Ocrana, a-Losers und Mousesports. Und so hat es sich eigentlich auch schon im Halbfinale abgezeichnet. Bei FIFA hatte man eine richtig dicke Überraschung. Da hatte sich ben von den a-Losers ins Finale gespielt und dort eben auch gewonnen, soweit ich weiß. Der kam als Ersatzmann, weil eine Menge Leute abgesagt haben oder absagen mussten aus irgendwelchen Gründen. Bei TO haben wir auch eine Überraschung. Geh-Ab sind ins Finale gekommen, die hatten mit Platz sechs gerechnet. Warcraft, gut da hatte es ein bisschen in der Schwebe gehangen. Wir hatten eigentlich Huebsch, also die Schweizer favorisiert, die jetzt bei plan-B sind. Die sind gestern Abend auf dem dritten Platz gelandet. Geschafft hat es jetzt faculty gegen DkH, was übrigens auch ein sehr schönes und langes Spiel war. Also im Großen und Ganzen muss ich sagen, es ist gut verlaufen, es hat ein paar Überraschungen gegeben, so wie es in jedem Turnier sein sollte. Manches ist ein bisschen anderes geworden als wir gedacht haben und in so fern passt auch die Coverage draußen. Also wir haben heute schon ein bisschen auf den Webseiten rumgeschaut. Uns hat es gefallen. Wir sind ja noch nicht am Ende. Es klommen ja noch ein paar richtig schöne Knaller.

Zunächst noch mal eine Frage an sie: Was versprechen sie sich von der Zusammenarbeit mit der WWCL, weil sie das früher ja alles im eigenen Studio gemacht haben?

WR: Versprechen können wir jetzt noch nicht viel. Tomas von Treichel, der die WWCL und WCG managte, ist ein langjähriger Freund der Redaktion und war auch öfters hier. Er ist früher auch Pressesprecher gewesen und wir haben schon seit Jahren einen guten Kontakt gehabt. Dann ging es immer schon hin und her, machen wir was zusammen? Jetzt hatte sich einen Gelegenheit aufgetan, wo wir gesagt haben, wir gehen von den Online-Finals weg hin zu Offline-Finals. Natürlich hatten wir als Publikation, als Heft nicht die Erfahrung gehabt mit Lan Finals. Dann wollten wir uns nicht auf irgendjemanden Stürzen und Thomas war halt zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Wir haben uns zusammengesetzt und das ganze innerhalb einer Woche auf Papier gezeichnet. Und es hat gut geklappt eigentlich. Wie es jetzt weiter geht. Wir werden natürlich unseren Onlineteil behalten und die WWCL wird weiterhin offline machen. Konkrete Pläne das zusammen zu schmeißen gibt es nicht. Wir werden was die Finals betrifft nach wie vor weiter zusammen arbeiten. Das hat gut geklappt. Wir sind zufrieden, auch die WWCL ist zufrieden. Warum sollen wir es nicht weiter führen?

Eine Frage an sie Frau Schmitz. Gerade ist die Games Convention zu Ende. Jetzt hier die WWCL Finals, GCL Finals, weiteres wird kommen. Denken sie der eSport an sich hat seinen Zenit schon überschritten?

PS: Nein. Auf gar keinen Fall. Das sieht man auch daran, dass wir den Schritt gewagt haben weg zu kommen von den Online-Finals, bei denen man nicht mit den Clans zusammen ist. Du kannst nicht persönlich mit ihnen reden und das führt immer zu Komplikationen. So hatte es immer einen halbprofessionellen Status. Manchmal auch chaotisch. Der Zenit ist alleine deshalb noch nicht überschritten. Jetzt richte ich auch mal ein Wort an die Clanner da draußen. Nicht nur die Veranstalter werden immer professioneller, sondern einen Bitte auch an die Clans, dort doch mal ein bisschen was zu tun. Wenn ich mir dieses hick hack teilweise im Internet anschaue, sei es gaflame im Forum, irgendwelche Albernheiten die dort ausgetauscht werden. Oder wie sich die Clans teilweise auch auf den Events verhalten. Da ist es noch ein weiter Weg in Richtung Professionalität, wo wir alle hin wollen. Ich glaube da hängt es dann nicht nur an den Veranstaltern, sondern auch an den Spielern selber. In so fern ist der Zenit auf keinen Fall überschritten bisher. Es ist noch ein bisschen was zu tun. Eine mentale Hürde, eben das was die Clans von uns fordern, professioneller zu werden, dass sie das auch für sich selber umsetzten. Das würde ich mir auf jeden Fall wünschen.

WR: Dass sie es auch einbringen.

PS: Genau, dass es nicht nur das Management der Clans ist, die teilweise schon sehr professionell arbeiten, sondern auch vor allem die Spieler sind, die auf den Events auftreten. Das steht ein bisschen im Gegensatz zu dem, was sie fordern. Jetzt nicht generell auf alle Clans bezogen und ich mag auch keinen Namen nennen. Das ist eine Geschichte die läuft nicht nur auf einer Seite, sondern die muss von beiden Seiten erledigt werden.


Welcher Bedeutung hat der eSport für die Redaktion, für die Zeitschrift?

PS: Ja, er wird immer wichtiger und bekommt immer mehr Raum im Heft. Alleine der Schritt hier hin ist auch ein Eingeständnis des Heftes und des Verlags, gegenüber der Wichtigkeit des eSports. Das ist ein Teil der ganzen Angelegenheit, wenn wir sagen „Die ganze Welt der PC Spiele“, dann dürfen wir den eSport auf keinen Fall ausklammern.

Im Bezug auf die ESL. Sehen sie sich als Konkurrenten oder eher als zwei Mitstreiter im selben Wettbewerb, die eigentlich nebeneinander oder vielleicht sogar miteinander arbeiten?

WR: Geschäftlich natürlich Konkurrent. Das ist klar. Wir grasen denselben Platz ab. Es gibt nun mal nur eine bestimmte Anzahl an Sponsoren, wo man sich anhängen kann. Und so ein Event kann man nicht alleine stellen. Das ist einfach nicht drin. Du musst dir jemanden ins Boot holen. Für die WWCL gilt das Gleiche. In so fern Konkurrenz. Andererseits, wir sind häufig, wenn im München Friday Night Game ist, dort. Wir haben ein gutes Verhältnis zum Jens (Anmerkung: Gemeint ist Jens `GreatSam` Hilgers. Geschäftsführer von Turtle Entertainment, die hinter der ESL steht.). Er war auch schon mal bei uns in der Redaktion und wir haben über eine Zusammenarbeit mit der ESL nachgedacht. Das ist aber viele Jahre her. Man kann es im Geschäft vielleicht schon, aber im eSport nicht als Konkurrenz bezeichnen. Wir haben von acht Counter-Strike Teilnehmern, sieben EPS Clans. Da könnten sie auch sagen: Sie sind neidisch, aber das tun sie nicht. Genauso sagen wir es nicht. Jeder tut was er kann für diese Branche, für diesen Sport. Wir machen es auf eine andere Art und Weise. Im Endeffekt muss man sagen, jeder tut dem anderen auch gut.

SchmitzPS: Und um auch noch mal von den Clans zu sprechen. Ich glaube den Clans ist es am liebsten, wenn möglichst viele hochdotierte, ob es nun Sachpreise oder Geldpreise sind, Ligen nebeneinander gibt. Denn das rechtfertigt erst das Dasein der Clans auch gegenüber den Sponsoren.


Dort sprechen sie gerade auch etwas an. Wenn man sich die Preise anguckt, von diesem Turnier hier oder auch von anderen. Halten sie das nicht für überzogen, dass zum Beispiel der Gewinner von Pro Evolution Soccer einen Smart Roadster bekommt. Das sind ja schon Sachpreise in hohem Wert.

WR: Das ist richtig. Wobei man jetzt sagen muss, es ist vielleicht eine Firmenpolitik bei Konami, um Pro Evolution Soccer ein bisschen zu puschen. Da gehört der Preis dazu. Für einen Einzelwettbewerb ist es natürlich ein Mords-Preis. Also wir haben für unsere ersten Preise jeweils einen GameStar PC, den wir erst vor kurzem zusammengestellt haben. Der liegt auch schon bei 1400 Euro und das sind ein Mords-Gerät und ein Mords-Preis, wenn man es genau nimmt. Und ein Auto. Gut viele PES Spieler sind 16, 17 Jahre alt und die verkloppen das Auto bei eBay. Ich glaube der Mike von DkH, der ihn gewonnen hat, fährt sogar selber. Und jetzt, der einzige Favorit der noch da ist, ist glaube ich Shinji. Ebenfalls von DkH. Der wird es sich wahrscheinlich holen. Das sind eh Freunde die beiden. Dann werden sie zu zweit mit den beiden Autos rumfahren. (schmunzelt) Führerschein haben sie ja beide. Aber es ist natürlich irgendwie auch eine Entwicklung darin zu sehen. Wir haben jetzt, wenn man alles zusammenrechnet, WWCL und GSL, dann sind wir bei ca. 100.000 Euro. Das ist schon heftig. Wir haben irgendwann mal mit 12.000 Mark angefangen.

PS: Waren es Mark?

WR: Ja 12.000 Mark waren es damals noch. Und jetzt sind wir mittlerweile auch schon bei fünfunddreißig-, sechsunddreißigtausend Euro. Also es ist innerhalb von fünf Jahren schon eine ganz schöne Steigerung drin.


Vor allem bei der Anzahl der Spieler, die hier überhaupt dran teilnehmen dürfen. Ist das pro Kopf eigentlich ein relativ hoher Wert.

WR: Richtig. Andererseits ist es so. Wir haben die Preise relativ spät zusammengestellt. Und haben aber schon vorher Anfragen von Clans gehabt, was gib es denn zu gewinnen, denn für ein Mousepad kommen wir nicht. Das heißt, die erwarten natürlich auch einen gewissen Level an Preisen. Sonst tauchen sie nicht auf. Dann verliert die ganze Veranstaltung natürlich auch an Attraktivität.

PS: Da möchte ich dann wieder zurück zum Thema Professionalität kommen. Wenn ich Teil einer Liga bin und ich am Anfang gesagt habe: Gut ich spiele da mit, auch natürlich mit dem Anspruch zu gewinnen, dann muss ich mich auch verpflichtet sehen, selbst wenn ich am Ende merke ich habe gegen die Finalisten keine Chance, zu sagen ich gehe da trotzdem hin und spiele das aus. Es gibt in keinem Profisport so eine `Mir doch scheiß egal` Haltung. Wenn es gerade mal nicht in den Kram passt. Angefangen bei: Ach ne lass uns das Spiel nicht zu Ende spielen, weil wir haben ja ohnehin keine Schnitte. Im Stream wird das Ding dann abgebrochen und die Leute dort draußen sind enttäuscht, weil ihnen wirklich auch was entgeht. Und es ist nicht fair gegenüber den Veranstaltern. Es ist nicht fair gegenüber dem gegnerischen Team. Zum einen Teil dann einfordern, wir hätten gerne, aber dann ihren Teil der Abmachung nicht zu Ende zu bringen. Das ist nicht gerade die richtige Art und Weise, den eSport in die professionelle Ecke zu bringen. Ich glaube da liegt auch teilweise noch der große Hase im Pfeffer.

WR: Ja, vor allem natürlich auch für die Veranstalter. Weil Clans die uns mitten im Turnier abhauen, weil ihnen irgendwas nicht passt. Das ist natürlich kein Zugpferd. Das ist klar. Je länger die Clans da sind, präsent sind, sich auch den Zuschauern zeigen, umso mehr Popularität bekommt so ein Event. Da sollten sich die Spieler, die ja in erster Linie im Rampenlicht stehe, dieser Popularität auch bewusst sein. Das sie sich nicht verstecken sollen, sondern zeigen: Hallo, wir sind hier, wir sind präsent, wir spielen, wir zeigen euch was wir können. Das muss irgendwie auch für die Leute rüber kommen. Dann ist ein Ansporn für Veranstalter da, dann ist auch eine Genugtun für die Zuschauer da. Ob der jetzt zu Hause irgendwo vorm PC sitzt, oder auch vor Ort ist und sich die Spiele hier anschaut. Der sagt sich: Ich habe das gesehen, was ich wollte. Ich zahle auch für ein Fußball Tickt 30 Euro und gehe nicht in der Halbzeit raus. Sondern ich gucke es mir bis zum vielleicht auch bitteren Ende an. Aber das Drumherum zählt auch. Da gehören die Zuschauer zu, da gehören die Akteure dazu. Und die Akteure sind eben die Spieler die Clans und da sollten meiner Meinung nach auch die Manager ein bisschen darauf hinarbeiten, dass sie sagen: He Jungs, nicht gleich Mouse rausreißen, hochspringen und raus aus der Halle, sondern erst einmal ein bisschen zusammen bleiben. Macht man noch ein Teamphoto der so was. Zeigt sich noch mal den Zuschauern. Dann ist das Ganze ein bisschen gerundet.


Das Gespräch führten prioR & edshirt


Autor

maddilo

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