Der Leiter der Gamestar Liga sprach am 09.04.2006 mit uns über die Finals, die Möglichkeit kleinen Teams eine stabile Plattform zu geben und die eher unbekannte Tactical Ops Szene
Aus Ihrer Sicht, wie verlief bisher das Turnier?
Walter Reindl: Die ersten zwei Stunden waren wie immer ein bisschen hektisch. Da kommt jeder an und sagt, wir sind eine halbe bis eine Stunde hinten dran, aber am Nachmittag hat es sich dann wieder entspannt. Wie üblich, überall.
Vom Verlauf her ist es bei uns recht gut gegangen. Auch draußen im WC3 und FIFA Bereich, waren viele Besucher. Wir sind also bisher zufrieden mit dem Verlauf.
Wie beurteilen Sie die Location? Letztes Mal im Gasometer war es wesentlich ruhiger, ich würde sagen einsamer.
(schmunzelt) Einsamer ist das richtige Wort. Es ist irgendwas dazwischen.
Die Hobbytronic war mal eine richtige Messe, aber das hat sich fast zum Flohmarkt reduziert und laut meinen Informationen wird es auch nächstes Jahr keine mehr in Dortmund geben. Insofern hat sich das auch erledigt. Es ist halt ne typische Messe-Location. Bis auf die Zuschauer, die nicht alle so eSport begeistert sind. Außer denen die nur deswegen kommen, aber das sind eher weniger.
Das heißt ein Feedback direkt gibt es nicht? Aber es gibt ein sehr großes Durchlaufpublikum, dem man den eSport näher bringen kann. Ist das hier der Fall?
Ja, den Eindruck habe ich auf jeden Fall. Die Zuschauer kommen ran und sehen was es hier zu gewinnen gibt. Das weckt die Neugierde bei einigen.
Es ist wesentlich lauter hier, man hört von einigen Shooterspielern, es wäre zu laut.
Na ja, den meisten Lärm machen wir ja selber. Die Gamingarea und die Bühnen sind dicht beieinander, und da kann es durchaus zwischendurch ein wenig lauter sein. Beim nächsten Mal werden wir es wohl etwas anders lösen.
Hat sich die Partnerschaft mit der WWCL verstärkt oder macht man weiterhin nur die Finals miteinander?
Zusammen eine Liga? Nein, da gibt es noch nichts, auch keine Pläne. Wir werden die Finals weiterhin zusammen ausrichten. Die nächsten übrigens wahrscheinlich im September.
Wie beurteilen Sie das Teilnehmerfeld, es sind ja wesentlich weniger EPS Teams als letztes Mal dabei. Man misst das mittlerweile ja an der Anzahl der EPS Teilnehmer, aber diesmal sind eher unbekanntere Teams vor Ort.
Ja ein gewissen Indikator sind die EPS Teams auf den Finals schon, aber die Saison ist schon ungewöhnlich verlaufen. Wir haben zum Beispiel monsters, dieÖsterreicher, die sich auf Platz vier in der Gruppe B durchsetzen konnten, oder dangerous regeneration, die die Saison auf Platz eins beendeten und sogar mousesports hinter sich ließen. Irgendwo bestätigen sie das hier ja auch. Sie sind jetzt im Consolation Finale. Es freut mich schon, dass man solchen Clans auch die Möglichkeit bieten kann. Man muss ja irgendwann auch mal an die Zeit nach Team64 oder mousesports denken. Solche Teams wollen sich ja auch mal irgendwo präsentieren und sagen: wir können es auch.
Deswegen finde ich es von der Auswahl, letztes Jahr waren es sieben EPS Teams,
diesmal nur zwei, gut. Damit haben wir auch den Nachwuchs mit drin.
Beim letzten Mal hatten wir schon die Professionalität angesprochen, die Teams an den Tag legen oder auch nicht. (A. d. R.: bezieht sich auf das Interview auf den letzten GSL Finals) Wie sieht das bei den Neulingen und nicht so erfahrenen Teams aus?
Ich glaube da stehen die Neuen, den großen Teams in nichts nach. Sie haben ihren Teamleader dabei, sie sind ordentlich, kommen rein, spielen wann sie spielen müssen. Ich würde sagen, da besteht kein richtiger Unterschied.
Mousesports ging als klarer Favorit ins Turnier und musste jetzt eine Blamage, wie gegen das Team64 hinnehmen. Woran liegt das?
Nun gut man darf nicht vergessen, dass element nicht vor Ort ist und papst sich in nur 24 Stunden in das Team finden musste. Mit element fehlt der zentrale Ansager, was es noch schwieriger macht. Von daher kann ich mir gut vorstellen, dass es von 0 auf 100 nicht sofort funktioniert. Team64 war besser vorbereitet.
Wenn man sich einen solchen Event ansieht, sieht man meistens nicht was für eine Arbeit dahinter steckt. Können Sie uns erzählen, wann so etwas anfängt?
Angefangen hat es Mittwoch mit den Messeaufbauten. Es wurde bis Freitagnachmittag aufgebaut, mit Technik und allem drum und dran. Es ist ein riesen Aufwand. Bei der WWCL stehen vierzig Helfer dahinter. Wenn man dann hinterher sieht, wie problemlos das an zwei Tagen funktioniert, muss man schon sagen: Top. Es ist gut gelungen - von der Vorbereitung und von der Durchführung her.
Sie supporten immer noch seit Jahren Tactical-Ops. Da stellt man sich die Frage, wie groß ist die Szene, die dahinter steckt und woran liegt es, dass es immer noch Sponsoren gibt die Interesse daran zeigen?
Man muss dazu sagen, TO hat eine recht stabile Szene. Es gibt seit 2001 etwa 180 Clans, die es noch spielen. Diese haben wir in den letzten Jahren eigentlich komplett abbilden können. Sie waren alle in den ersten und zweiten Ligen vertreten. Dieses Jahr ist die Teilnehmerzahl auf 120 runtergerutscht. Es ist immer noch eine gut geführte Szene und Community. Man hat zum Beispiel wenige Probleme mit Cheatverdächtigungen oder Streitfällen, weil die das zu 98% intern in der Community lösen. Das ist ein großer Vorteilsfaktor, obwohl es halt kein aktuelles Spiel mehr ist. Der Nachfolger sitzt schließlich schon in den Startlöchern: Crossfire. Wir sind jetzt gerade dabei zu überlegen ob, wir in der nächsten Saison Tactical-Ops eine Pause gönnen, weil Mitte April viele auf Crossfire umsteigen werden. Damit wir zum Herbst nach der Betaphase eine Liga anbieten können. Es ist ein Versuch diese Community rüber zu retten. man kann nicht von Anfang an sagen, dass es funktioniert. Viele haben gesagt, dass sie mitziehen und dabei sind. Tactical-Ops ist eine angenehme Szene und wir werden es in irgendeiner Form beibehalten.
Inwiefern wird der eSport in das Magazin Gamestar eingebunden? Wird das mehr werden, zum Beispiel jetzt über die Finals?
Wir haben momentan circa vier bis acht Seiten, auf denen wir über Multiplayer berichten und da gehört auch die Clanliga zu. Also es gibt die monatliche Berichterstattung.
Ob das jetzt wirklich mehr werden wird, kann ich so nicht beantworten. Ideen stehen schon, aber keine direkten Aussagen.
Also ist die Gamestar weiterhin eher auf den Singleplayer gerichtet?
Das Hauptgewicht liegt halt immer noch bei den Spieltests und die sind meistens Singleplayer.
Dann danke ich Ihnen für das Interview und noch viel Glück weiterhin.